Das Equine Metabolische Syndrom (EMS) ist eine Stoffwechselerkrankung beim Pferd, die durch eine Insulindysregulation gekennzeichnet ist. In gewisser Weise lässt sich diese Erkrankung mit Diabetes beim Menschen vergleichen. Bestimmte Pferdetypen – vor allem leichtfuttrige Rassen wie Fjordpferde, Haflinger, Shetlandponys und das Schwarzwälder Kaltblut – haben eine Veranlagung für EMS.
In unserer heutigen Haltung mit reichlich Futter, energiereichem Heu und oft zu wenig Bewegung entwickeln jedoch eine Großzahl unserer Pferde Übergewicht – und damit ein erhöhtes Risiko, an EMS zu erkranken.
Da es in der klassischen Tiermedizin keine Medikamente gibt, die EMS stoppen oder gar heilen können, liegt der wichtigste Ansatz im Management:
- gezielte, angepasste Fütterung
- eine pferdegerechte Haltung
- ausreichend Bewegung
Der wichtigste „Motor“ der Erkrankung ist meist Übergewicht. Deshalb ist eine kontrollierte und stoffwechselgerechte Fütterung entscheidend.
Die folgenden Tipps richten sich in erster Linie an Pferde mit nachgewiesener Insulindysregulation, sind jedoch ebenso für übergewichtige Pferde geeignet. Die Fütterung von Pferden mit Cushing (PPID) ähnelt dieser teilweise – darauf wird in einem separaten Blogbeitrag genauer eingegangen.
Ziel der Fütterung beim EMS-Pferd
Das wichtigste Ziel in der EMS-Fütterung ist eine energie-, zucker- und stärkearme Ration.
Der Fokus liegt dabei auf einer kontrollierten Aufnahme von Energie, während gleichzeitig eine ausreichende Versorgung mit Proteinen, Mineralstoffen und Vitaminen gewährleistet sein muss.
Raufutter: Die Basis der Ernährung
Das wichtigste Futtermittel für Pferde ist rohfaserreiches Raufutter wie:
- Heu
- Heulage
- Stroh
- Gras
Leider sind Heu und Heulage häufig sehr zuckerreich, was für Pferde mit EMS problematisch sein kann. Viele Heuanalysen aus Deutschland im Jahr 2025 zeigten Zuckergehalte von über 10 %.
Zur Orientierung:
- Bis etwa 5 % Zucker: sehr gut geeignet für stoffwechselkranke Pferde
- Ab etwa 10 % Zucker: ungeeignet oder sogar gefährlich für EMS-Pferde
Wenn kein zuckerarmes Heu verfügbar ist, gibt es einige Möglichkeiten, die Ration zu optimieren.
Alternativen bei zu zuckerreichem Heu
Heu mit Stroh strecken
Heu kann teilweise durch Stroh ergänzt werden, um den Energie- und Zuckergehalt zu senken.
Wichtig dabei:
- Pferd langsam an Stroh gewöhnen
- 0,5-1 kg Stroh pro 100 kg Körpermasse täglich
- ausreichend Wasser zur Verfügung stellen
- etwa ½ Esslöffel Salz täglich zufüttern, um das Risiko von Verstopfungskoliken zu reduzieren
Äste als Knabbermaterial
Äste von einheimischen Bäumen und Sträuchern eignen sich gut als Beschäftigung und Futterergänzung.
Vorteile:
- zuckerarm
- enthalten sekundäre Pflanzenstoffe
- unterstützen die Gesundheit und Beschäftigung
Heu wässern
Wenn Heu mindestens 30 Minuten in Wasser eingeweicht wird, kann ein Teil des Zuckers ausgewaschen werden.
Allerdings werden dabei auch wichtige Inhaltsstoffe ausgeschwemmt, zum Beispiel:
- Proteine
- Mineralstoffe
Daher sollte diese Methode nicht dauerhaft ohne Rationsanpassung angewendet werden. Die Verderbnis Gefahr ist größer als bei trockenem Heu.
Weidegang bei EMS-Pferde
Beim EMS-Pferd ist Weidegang ein sensibles Thema.
Gras enthält – abhängig von Tageszeit, Jahreszeit und Wetter – teilweise sehr hohe Zuckermengen. Besonders hoch kann der Zuckergehalt sein:
- im Frühjahr
- nach kalten Nächten
- bei viel Sonneneinstrahlung
Zusätzlich beeinflussen viele weitere Faktoren den Zuckergehalt:
- Temperatur
- Regenmenge
- Grassorte
- Nutzung der Fläche
Da sich diese Faktoren kaum vollständig kontrollieren lassen, ist Weidegras für EMS-Pferde ein schwer kalkulierbares Futtermittel und sollte sehr vorsichtig bis garnicht eingesetzt werden.
Energiequellen für EMS-Pferde
Die meisten Pferde benötigen keine zusätzliche Energie neben gutem Raufutter.
Ausnahmen sind zum Beispiel:
- Sportpferde
- ältere Pferde
- Pferde mit erhöhtem Energiebedarf (wegen Krankheit)
Bei der Auswahl von Zusatzfutter gilt immer:
👉 Zucker- und Stärkegehalt beachten, da Stärke im Körper ebenfalls zu Zucker umgewandelt wird.
Geeignete Energiequellen können sein:
Öl
Pferde besitzen zwar keine Gallenblase, produzieren jedoch ausreichend Gallensaft, um Öle zu verdauen.
Wichtig:
- langsam anfüttern
- maximal 1 ml Öl pro kg Körpergewicht
Saaten
Viele Saaten liefern Energie und gesunde Fettsäuren, sollten jedoch in moderaten Mengen eingesetzt werden.
Unmelassierte Zuckerrübenschnitzel
Diese sind:
- rohfaserreich
- meist zuckerärmer als viele Heusorten
Wichtig: Sie enthalten relativ viel Jod, daher sollte die Gesamtration berechnet werden.
Spezielle „EMS-Futtermittel“
Viele Produkte werden als EMS-Futter beworben, enthalten jedoch teilweise:
- versteckten Zucker
- stärkereiche Zutaten
Deshalb gilt immer:
👉 Deklaration genau lesen
Proteine in der Fütterung von EMS-Pferden
Ein häufiges Missverständnis ist, dass Proteine Hufrehe auslösen.
Das stimmt nicht.
Dieses Gerücht führt leider oft dazu, dass Pferde nicht ausreichend mit Proteinen versorgt werden.
Viele Heu- und Heulagen sind:
- zuckerreich
- aber gleichzeitig proteinarm
Gerade bei reduzierter Futtermenge oder Diäten muss die Proteinzufuhr daher bewusst berücksichtigt werden.
Eine ausreichende Versorgung ist wichtig für:
- Muskelaufbau
- Stoffwechselprozesse
- Immunsystem
- Haut und Verdauung
Pferde mit zusätzlichen Problemen – etwa Hauterkrankungen, Verdauungsproblemen oder ältere Pferde – haben oft einen erhöhten Bedarf. Aber auch zu viel Protein ist nicht förderlich.
Geeignete Proteinquellen
Soja
Soja hat häufig einen schlechten Ruf, bietet jedoch:
- ein sehr gutes Aminosäureverhältnis
- Ein großer Teil des Sojas wird inzwischen auch in Deutschland angebaut und ist häufig GVO-frei.
Luzerne
Luzerne ist eine hochwertige Proteinquelle, sollte jedoch mit Bedacht eingesetzt werden:
- nicht bei Pferden mit Magenproblemen
- hoher Calciumgehalt (MYM)
- Verhältnis von Calcium zu Phosphor beachten
Hanf
Hanf liefert:
- hochwertige Proteine
- Omega-Fettsäuren
Achtung: Je nach Produkt nicht ADMR-konform (48 Stunden vor Turnieren absetzen).
Reis
- Hochwertige Proteine
- Enthält auch Stärke
Mineralstoffe für Pferde mit EMS: Ein oft unterschätzter Faktor
Mineralstoffe werden in der Pferdefütterung häufig unterschätzt, obwohl sie eine zentrale Rolle im Stoffwechsel spielen.
Ein ganzer medizinischer Bereich – die orthomolekulare Medizin – beschäftigt sich mit der optimalen Versorgung von Vitaminen und Mineralstoffen.
Wichtige Spurenelemente wie:
- Zink
- Selen
- Kupfer
sind an zahlreichen enzymatischen Stoffwechselprozessen beteiligt.
Da viele dieser Mineralstoffe heutzutage in Böden, Pflanzen und damit auch im Heu oft zu niedrig vorhanden sind, sollte jede Ration durch ein gut abgestimmtes Mineralfutter ergänzt werden.
Fazit
Die richtige Fütterung eines EMS-Pferdes erfordert ein durchdachtes Konzept. Eine zuckerarme Ration, ausreichend Rohfaser, hochwertige Proteine und eine ausgewogene Mineralstoffversorgung sind entscheidend für einen stabilen Stoffwechsel.
Zusammen mit Bewegung und Gewichtsmanagement lässt sich das Risiko für Folgeerkrankungen wie Hufrehe deutlich reduzieren und die Lebensqualität des Pferdes langfristig verbessern.




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Stoffwechselprobleme - Was wirklich hilft